Von Natur aus zuversichtlich: Projektleiterin Youness-Daoud

Nirmin Youness-Daoud leitet vier Projekte im Bahnausbau München. Ob der Bau von Weichen und Signalen oder die Planungen für neue S-Bahn-Stationen – die Bauingenieurin stützt sich auf ihr Fachwissen, 20 Jahre Berufserfahrung und ihren Optimismus.

Nirmin Youness-Daoud mag Dinge, die sie an ihre Grenzen bringen – und sie darüber hinaus tragen. In ihrer Freizeit nimmt die Bauingenieurin Klavier-Unterricht, spielt Tennis und lernt seit einem Jahr nähen. Beruflich sind Planänderungen ihr Alltag. „Es läuft nicht immer alles 100 Prozent nach Plan. Unerwartete Dinge passieren – da muss man reagieren“, sagt Youness-Daoud. Ihre Erfahrung: „Es gibt immer eine Lösung.“ Was andere vielleicht verzagen lässt, das macht für sie den Job erst spannend: „Das Gute daran ist: Man lernt nie aus, sondern immer wieder etwas Neues.“ Ihr Job: Projektleiterin der DB InfraGO beim Bahnausbau in München.

Der Bahnausbau im Knoten München und im Umland hat es in sich: Laut Prognose wächst die Einwohner:innenzahl in der Metropolregion (München und weite Teile Südbayerns) bis 2034 auf etwa 6,5 Millionen. Da muss das Bahnnetz natürlich mitwachsen. Bund, Freistaat und DB haben viele Projekte ausgewählt – für mehr Platz auf der Schiene, neue Gleise, mehr Züge, digitale Technik, moderne Bahnhöfe und vieles mehr. Damit mehr Menschen die umweltfreundliche Schiene nutzen, damit mehr Güter per Zug transportiert werden können.

Bauarbeiten in Südbayern

Bauingenieurin Youness-Daoud leitet derzeit vier Projekte in München und Südbayern, die sich in unterschiedlichen Phasen befinden. Richtig zur Sache geht es seit Jahresanfang beim Bau von Ausfahrsignalen an der Strecke Rosenheim–Kufstein und bei der neuen Überleitungsstelle Strass an der Strecke Rosenheim–Freilassing. Hier bauen verschiedene Firmen vier Weichen ein, passen Oberbau, Oberleitungen sowie Leit- und Sicherungstechnik an. Unter anderem werden Kabeltröge gebaut, Kabel neu verlegt und Fundamente für Signale erstellt. „Wir bauen im laufenden Betrieb, das heißt, bestimmte Arbeiten können nur in den Sperrpausen gemacht werden“, erklärt Youness-Daoud. Sie und ihre Mitarbeitende koordinieren die Arbeit der Baufirmen.

Ein weiteres großes Projekt von Youness-Daoud ist die Anbindung des BMW Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) an den Münchner Nordring und der Bau einer S-Bahn-Station. Aktuell fahren nur Güterzüge auf dem Nordring (von Unterföhring zum Rangierbahnhof Allach), künftig soll er auch für den Personenverkehr genutzt werden: Pendelzüge werden Arbeitnehmer:innen von Karlsfeld über den Nordring bis zum BMW-FZI und weiteren dort ansässigen Firmen bringen. Auch eine mögliche Verlängerung oder zum „Euro-Industriepark“ wird geplant. Bis die Züge fahren, vergeht allerdings noch viel Zeit – Jahre mit viel Arbeit für Youness-Daoud und ihre Kolleg:innen.

„In den vergangenen zwei Jahren haben wir die betriebliche Aufgabenstellung erarbeitet, mit dem Projekt ‚Digitale Schiene Deutschland‘ und weiteren korrespondierenden Projekten abgestimmt sowie die Vergabe der Planungsleistungen vorbereitet“, berichtet Youness-Daoud. Die europaweite Ausschreibung im Herbst 2023 blieb allerdings ohne Ergebnis, kein Planungsbüro gab ein Angebot ab. „Vielleicht war der Zeitpunkt ungünstig. Zum Jahresende sind die Auftragsbücher der Firmen meist voll“, sagt die Projektleiterin. Sie wird die Ausschreibung wiederholen – und den Bauablaufplan überprüfen, um den Zeitverlust gering zu halten und natürlich die Kosten im Blick zu behalten. „Wir arbeiten größtenteils mit Förder- und Fremdmitteln. Das erfordert eine besondere Sorgfalt, sowohl im Umgang mit dem Budget als auch bei der Dokumentation.“

Neuer S-Bahnhalt Berduxstraße

Parallel dazu arbeiten sie und ihre Kolleg:innen an einem weiteren großen Projekt im Münchner Westen: ein neuer Halt der S-Bahnlinie S2 an der Berduxstraße zwischen Laim und Obermenzing, wo ein neues Stadtquartier für 5.000 Bewohner und 1.000 Arbeitsplätze entstehen. Im September 2023 haben der Freistaat und die Stadt München eine Finanzierungsvereinbarung für den S-Bahnhalt unterschrieben. Für Youness-Daoud und ihre Kolleg:innen beginnt jetzt die Arbeit: „Wir sind ganz am Anfang: Wir ermitteln die Grundlagen und die betriebliche Aufgabenstellung, um danach die Vorplanung zu starten.“

Mit zwei bis fünf DB InfraGo-Mitarbeitenden, externen Planungsbüros und Baufirmen arbeitet Youness-Daoud an dem jeweiligen Projekt. Sie hält dabei alle Fäden in der Hand – und kann sich auf zwanzig Jahre Berufserfahrung stützen. Das Rüstzeug dafür hat sie sich im Studium geholt: Youness-Daoud studierte Bauingenieurwesen in Damaskus (Syrien), wo sie geboren und aufgewachsen ist, und  in Deutschland, wohin sie 1997 der Liebe wegen ging. An der Technischen Universität München hat sie 2003 ihr Diplom erworben. Bei einem Ingenieurbüro arbeitete sie im Auftrag der DB in der Projektsteuerung und wechselte vor sieben Jahren zum Konzern. „Die vergaberechtlichen Vorschriften und die Verfahrensweisen sind Grundlagen meiner Arbeit“, sagt Youness-Daoud. Und wenn es doch einmal nicht so läuft, wie geplant, dann findet sie eine Lösung: „Ich bin von Natur aus zuversichtlich.“