Christoph Emmerich: „Eine erfolgreiche Inbetriebnahme fühlt sich für mich an wie ein bestandenes Abitur“

Christoph Emmerich arbeitet gern in seinem Spezialgebiet, der Leit- und Sicherungstechnik. Am liebsten ist er draußen vor Ort.

Für Christoph Emmerich aus dem Bereich Technik Knoten München (I.II-S-H) ist die Leit-und Sicherungstechnik (LST) das tägliche Maß aller Arbeitsdinge. Zuletzt war er als LST-Experte eingebunden und aktiv bei der erfolgreichen Inbetriebnahme (IBN) der*Überleitstelle Simssee (bei Rosenheim) auf der Strecke Rosenheim–Salzburg.

Wir haben mit ihm über tagtägliche Herausforderungen in den Projekten, seinen Weg zur Bahn, Teamarbeit, aber auch darüber gesprochen, weshalb er bei der Arbeit oft auch an eines seiner Hobbies denkt.

Wie und vor allem warum kam er zur Bahn? „Irgendwie wollte ich immer schon etwas machen mit der Eisenbahn und der dazu gehörigen Infrastruktur“, erinnert er sich und ergänzt: „Mich fasziniert einfach das System Eisenbahn. Heute bin ich stolz, Teil dieser bewundernswerten Infrastruktur zu sein. Auch weil ich weiß, wie komplex das ist. Und ich halte die Bahn nach wie vor für das tollste Verkehrsmittel überhaupt.“ Sichtbarstes Zeichen dafür: Christoph Emmerich hat noch nie in seinem Leben ein Auto besessen.

„Ich wollte immer etwas machen mit Eisenbahn- Infrastruktur“

Nach seinem Abitur und dem Zivildienst in einem Seniorenstift musste er sich entscheiden zwischen drei Hochschulen, an denen er sich für seine Lieblingsrichtung einschreiben konnte: Heilbronn, Bremerhaven und Dresden. Der Mann aus dem Ruhrpott (geboren in einem kleinen Ort nahe Bochum, aufgewachsen in Krefeld) ging nach Sachsen: Von 1998 bis 2004 studierte er Verkehrsingenieurwesen an der Technischen Universität Dresden.

Sein erster Job als frisch gebackener Diplomingenieur führte den heute 47-Jährigen dann 2004 in ein Ingenieurbüro in Dresden. Dort vergingen gerade einmal zwei Wochen, bis es Christoph Emmerich mit der Bahn zu tun bekam: Es ging um die technische Ausrüstungsplanung für das Mega-Projekt Stuttgart 21, und er hatte es dabei speziell mit Planungsaufgaben für die Leit- und Sicherungstechnik zu tun. Die LST sollte sich fortan als „sein“ Thema konsequent durch das Emmerich´sche Berufsleben ziehen.

Nach vier Jahren in Dresden bewarb sich Christoph Emmerich dann 2008 an mehreren Standorten bei der Bahn. Den Zuschlag bekam die bayerische Landeshauptstadt: Er startete in der Zentrale der Bauüberwachung der damaligen DB ProjektBau in München. Zu den Projekten, in denen er eingesetzt war, gehörten u.a. die Ausbaustrecke (ABS) 29 München–Augsburg und die Arbeiten im Bf Moosach in Zusammenhang mit der UBahn Erweiterung U3.

Rund zwölf Monate später wechselte er innerhalb der DB ProjektBau in München – auf eigenen Wunsch und eigenes Betreiben – in den Bereich LST-Planung. Hier war Christoph Emmerich die folgenden zehn Jahre tätig, unter anderem bei der Ausführungsplanung für das ESTW Steinhausen. 2019 wechselte er ins Projektmanagement, wo er heute noch ist. Er erlebte mehrere Geschäftsfelder-Wechsel im Laufe der Jahre: von der DB ProjektBau über DB Engineering & Consulting und DB Netz bis hin zu jetzigen DB InfraGO.

„LST kann man nur gut planen, wenn man weiß, wie sich Züge bewegen“

Schon vom ersten Tag des Studiums an, erinnert er sich, hatte er die Leit- und Sicherungstechnik besonders im Fokus. „LST ist bisschen wie Programmieren, das gefällt mir. Und außerdem ist es ein Gewerk, das sehr stark mit dem Eisenbahnbetrieb verbunden ist.“ LST, erklärt der Wahl-Münchener weiter, könne man auch nur dann gut planen, wenn man wisse, wie sich Züge bewegen. Deshalb sei es für ihn auch klar, dass dieser Fachbereich für ihn gegenwärtig gesetzt ist: „Ich bin stolz auf die Fähigkeiten, die ich mir im Laufe der Jahre erworben habe. Ich möchte deshalb im LST-Bereich bleiben, weil ich auch das Projektgeschäft mag.“

Arbeiten an der Überleitstelle Simssee.

Neue Punkte finden für die „Weltkarte“ 

„Ich lerne jeden Tag etwas dazu im Kompendium Bahn“, sagt Christoph Emmerich. Und das dabei auch Fehler gemacht werden, gehöre für ihn dazu: „Wichtig ist doch, was man daraus lernt.“

Entspannung vom anstrengenden Job findet Christoph Emmerich zum Beispiel beim Radfahren. Die Berge quasi vor der Haustür, muss er sich nur noch entscheiden, welches seiner Räder er aus dem Keller holt: Rennrad, Mountainbike oder Gravelbike. Letztere sind spezielle geländegängige Rennräder, die mit breiteren Reifen ausgestattet sind und mit denen neben normalen Straßen auch unbefestigte Wege befahren werden können. Sein Lebensziel ist es, in den Club 2K aufgenommen zu werden, das sind alle 58 Alpenpässe über 2.000 Meter. 13 fehlen ihm noch.

Diese Touren nutzt der Fahrrad-Nerd  gleichzeitig für sein zweites Hobby: das Karten zeichnen. Christoph Emmerich ist Teil der weltweiten *OpenStreetMap-Gemeinde. Und immer auf der Suche nach neuen Punkten, die er in diese „freie Weltkarte“ eintragen kann. Auf der Basis von gesammelten Rohdaten zeichnet er die Geodaten, also beispielsweise Feldwege, Gebäude oder Flächennutzungen, in die Karte ein. Und hier spannt sich für ihn der Bogen zur Arbeit: Denn in den IBN-Tagen an der Üst Simssee entdeckte er auch Punkte an der Bahnstrecke, die er in die OpenStreetMap-Datenbank eingeben konnte.

Text: DB InfraGO/Steffen Burkhardt

Fotos: DB InfraGO/Angela Zacher