Das große Ganze im Blick

Erdinger Ringschluss, Daglfinger und Truderinger Kurve, neue Strecken mitten in der Großstadt – der Bahnausbau im Münchner Osten ist wahnsinnig vielseitig und komplex. Michael Hatzel hat den Überblick. Als zentraler Ansprechpartner vermittelt er die Zusammenhänge auch den Bürger:innen und Politiker:innen.

Michael Hatzel arbeitet seit 2002 bei der DB und war unter anderem im Fahrzeugbereich und bei DB Regio tätig. Seit sieben Jahren kümmert sich der Bauingenieur bei DB Netz um die Infrastruktur. So hat er das Projekt S7-Verlängerung (Wolfratshausen–Geretsried) geleitet. Seit 2020 ist der 49-Jährige Leiter für den Bahnausbau im Münchner Osten.

Herr Hatzel, Sie sind jetzt auch als Koordinator für den Bahnausbau im Münchner Osten unterwegs. Was tun Sie da?

Michael Hatzel: Wir haben im Münchner Osten ein Dutzend Aus- und Neubau-Projekte, mit denen wir die Infrastruktur verbessern. Aber wir planen und bauen nicht auf einer Insel, unsere Projekte grenzen zum Beispiel an die Ausbaustrecke (ABS) 38 München–Mühldorf–Freilassing, die ABS 36 München–Rosenheim–Kiefersfelden–Grenze (Brenner-Nordzulauf) und die 2. Stammstrecke für die S-Bahn München. Meine Aufgabe als Koordinator ist es, die betrieblichen und technischen Schnittstellen sicherzustellen. Das bedeutet, dass wir uns ganz eng mit den Kolleg:innen von diesen Projekten abstimmen.

Auch in der Öffentlichkeit treten Sie als Koordinator auf.

Das ist eine wichtige Aufgabe, um die Akzeptanz unserer Projekte bei der Bevölkerung zu erhöhen. Anwohner:innen und Politiker:innen haben jetzt erstmals einen zentralen Ansprechpartner, wenn es um den Bahnausbau im Münchner Osten geht. Wir bauen hier oft mitten in der Stadt. Die Anwohner:innen sehen erst einmal nur das Projekt, von dem sie direkt betroffen sind. Als Koordinator habe ich das große Ganze im Blick, erkläre das Gesamtbild, mit welchen weiteren Vorhaben das jeweilige Projekt verbunden ist, welche Auswirkungen es auf den Bahnbetrieb in und um München haben wird, wie es die Schiene stärkt und eine umweltfreundliche Mobilität möglich macht. Ich mache die Zusammenhänge klar. Das fördert das Verständnis seitens der Öffentlichkeit.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir haben kürzlich die Öffentlichkeit über den Ausbau der Gütergleise im Truderinger Bahnhof informiert und haben das im Zusammenhang mit dem Ausbau der Güterverkehrsstrecken und seiner Bedeutung für die Mobilitätswende dargestellt. Das war die Premiere – und erfolgreich. Danach kamen positive Rückmeldungen vom Bezirksausschuss und Politikern aus dem Münchner Osten.

Der Ausbau des Bahnknotens München umfasst ein Dutzend Projekte. Wo liegen die Schwerpunkte im Osten der Stadt?

Einmal geht es um die überregionale Anbindung des Münchner Flughafens. Dafür ist der Erdinger Ringschluss wichtig: Für den Neubau einer zweigleisigen, elektrifizierten, etwa vier Kilometer langen Strecke vom bestehenden Flughafentunnel in Richtung Osten bis auf Höhe Kirchenstraße (Schwaig) erstellen die Kolleg:innen derzeit die Ausschreibungsunterlagen. Daran anschließend wollen wir eine zweigleisige, elektrifizierte Strecke bis Altenerding bauen, die die Stadt Erding direkt an den Flughafen anbindet. Das ist auch der erste Schritt zur Direktanbindung Südostbayerns und Salzburgs an den Münchner Flughafen über die Walpertskirchener Spange.

Auch das S-Bahn-Netz im Münchner Osten soll ausgebaut werden.

Das ist unser zweiter großer Schwerpunkt. Dazu gehören unter anderem der viergleisige Ausbau von München Ost bis Markt Schwaben sowie die Anbindung des Forschungs- und Innovationszentrums von BMW mit 20.000 Mitarbeitenden an den Münchner Nordring. Unser dritter Schwerpunkt ist der Ausbau der Güterverkehrsstrecken.

Welche Projekte zählen dazu? 

Unter anderem der Bau der Verbindungskurven zwischen Daglfing und Riem (Daglfinger Kurve) und zwischen Trudering und Riem (Truderinger Kurve) sowie der zweigleisige Ausbau zwischen Daglfing und Trudering. Außerdem werden wir die Strecke zwischen Daglfing und Johanneskirchen von zwei auf vier Gleise erweitern und – wie kürzlich vorgestellt – die Güterzuggleise auf der Nordseite des Truderinger Bahnhofs auf 740 Metern verlängern.

Haben Sie bei alledem noch Zeit für ein Hobby?

Ja, natürlich. Wir sind eine Fußballer-Familie. Ich trainiere zweimal in der Woche Jugendliche, am Wochenende sind die Spiele. Und natürlich stehe ich bei den Spielen meiner Jungs am Spielfeldrand. Außerdem spiele ich Tennis, bin gern in den Bergen unterwegs – oder auch einfach mal auf der Couch.